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Rangskala Beispiel Essay

Die Theorie der sozialen Identität

1. Die Theorie der sozialen Identität

Die SIT (social identity theory, Tajfel, 1970) befaßt sich mit dem Vergleich zwischen Gruppen und versucht, die dahinterliegenden Mechanismen zu beleuchten. Es gibt vier Hauptelemente, die die SIT kennzeichnen. Dies sind:

- Soziale Kategorisierung
- Soziale Identität
- Sozialer Vergleich · Soziale Distinktheit

1.1. Soziale Kategorisierung

„ Jeder einzelne Mensch gehört im Laufe seines Lebens vielen verschiedenen Gruppen an; dies beginnt mit der Mitgliedschaft in der Familie und setzt sich von dort aus fort. Soweit sich nun diese Gruppen in ihrer sozialen Ausprägung unterscheiden, legt das Subjekt die Bedeutung der einzelnen Gruppen nach dem für ihn identifikationswichtigsten Kriterien auf einer persönlichen Rangskala fest. “ (1)

Soziale Kategorisierung bedeutet die Klassifizierung anderer Personen innerhalb eines Systems. Die Umwelt wird auf verschiedene Merkmalsdimensionen hin geordnet und durch die Ordnung dieser Merkmalsdimensionen gelangt man zu sich gegenseitig abgegrenzte Gruppen bzw. Kategorien. Sich selbst als einer Gruppe zugehörig zu empfinden, entspringt dem Streben nach einen positiven Selbstbild. Eine Gruppe, die in den wichtigsten Wertdimensionen mit denen des Individuums übereinstimmt, ist für dieses Individuum selbstwertsteigernd. Die soziale Kategorisierung ist notwendig um die im nächsten Abschnitt angesprochene soziale Identität zu erreichen. eigenständiges Individuum beinhaltet. Die soziale Identität beinhaltet hingegen die Selbstinterpretation als ein an einer Gemeinschaft teilnehmendes Individuum, als Teil des Ganzen. Die soziale Identität betrifft stets nur das einzelne Individuum, die Gruppe wird dadurch nicht beeinflußt. Man versucht, zu einer positiven sozialen Identität zu gelangen, indem man versucht, die Eigengruppe von der Fremdgruppe positiv abzugrenzen. Unterschiede zwischen der Ingroup und der Outgroup werden hervorgehoben. Die Eigengruppe wird stets als die bessere wahrgenommen. Soziale Identität ist der kognitive Mechanismus, der Gruppenverhalten möglich macht.

1.2. Soziale Identität

Die Summe all dieser Zuschreibungen, die man für sich selbst trifft, also die Summe aller sozialen Identifikationen, ergeben die soziale Identität. Sie entsteht, indem die eigenen Merkmale mit Merkmalen in der Gruppe verglichen werden. Die soziale Identität steht im Gegensatz zu individuellen Identität, die die Selbstinterpretation als Zwei Prinzipien bestehen in dieser Verbindung, nämlich die kognitiven Prozesse der sozialen Kategorisierung und den motivationalen Prozessen denen das Bedürfnis nach positiver sozialer Identität entspringt.

1.3. Sozialer Vergleich

Um also eine positive soziale Identität zu erlangen, ist es nötig, daß sich Gruppen mit anderen Gruppen vergleichen. Die andere Gruppe muß (soll die soziale Identität positiv sein) immer schlechter sein als die Vergleichsgruppe.

Positive Ergebnisse für die eigene Gruppe können durch zweierlei Art und Weisen zustande kommen. Entweder man favorisiert die Ingroup oder man wertet die Vergleichsgruppe ab. Der Unterschied zwischen den beiden Strategien liegt darin, das im ersten Fall die Outgroup zwar positiv bewertet wird, daß aber die Eigengruppe trotzdem besser ist. Im zweiten Fall läßt man die Vergleichsgruppe schlechter abschneiden.

Beide Strategien beruhen auf der Überlegenheit der Ingroup der Outgroup gegenüber. Es geht darum, sich möglichst von der Vergleichsgruppe abzuheben. Man möchte wesentlich besser sein als die Vergleichsgruppe.

Möglichst viele positive Vergleichsergebnisse führen zu einer positiven sozialen Identität. Je mehr sich die eigene Gruppe von der Vergleichsgruppe abhebt, desto positiver wird die soziale Identität erlebt.

Voraussetzung dafür ist die Vergleichbarkeit der Gruppen. Je ähnlicher sich Gruppen in verschiedenen relevanten Vergleichsdimensionen sind, desto eher kommt es zu sozialen Wettbewerb und kompetetiven Verhalten bzw. Anschauungen. Je größer die Relevanz des Gruppenvergleichs ist, desto höher werden die Anstrengungen der einzelnen Gruppenmitglieder sein um positive Vergleichsergebnisse für die eigene Gruppe zu erzielen. Auch räumlich/zeitliche Nähe spielen eine große Rolle. Die Selbstwerterhaltungstheorie von TESSER erklärt diese Zusammenhänge sehr gut. Der Selbstwert ist demnach am meisten gefährdet, wenn die Relevanz der Vergleichsdimension groß ist, die (räumliche, psychologische) Nähe gegeben ist und die Leistungen ähnlich sind.

Die Theorie der sozialen Identität steht somit im Gegensatz zu Theorien, die einen positiven Zusammenhang zwischen Ähnlichkeit und Attraktivität postulieren (wie etwa die Verstärkungstheorie von BYRNE). Ähnliche Individuen beurteilen sich gegenseitig positiver, als Individuen die sich verschieden erleben. Im Rahmen der Theorie der sozialen Identität nimmt der soziale Wettbewerb zwischen Gruppen zu, je ähnlicher sie sich sind. Ähnlichkeit wird als aversiv erlebt, man versucht, Unterschiede zu vergrößern.

Allerdings schließen sich die Theorien gegenseitig nicht aus. Die ÄhnlichkeitsAttraktivitäts-Hypothese wird lediglich auf interpersonale Beziehungen beschränkt, während die Theorie der sozialen Identität für intergruppale Phänomene zur Erklärung herangezogen wird.

Nach der Theorie der sozialen Vergleichsprozesse von FESTINGER ( die sich auch auf Gruppen beziehen läßt) ist das entscheidende Motiv des sozialen Vergleichs die Selbstwerterhaltung. Die Gruppe, die sich mit einer Gruppe vergleicht, die höhere Fähigkeiten hat als die Ingroup, bedroht ihren Selbstwert. Deshalb vermeiden Gruppen den Vergleich mit offensichtlich besseren Gruppen um den Wert der eigenen Gruppe nicht in Gefahr zu bringen.

Eine wichtige Rolle beim sozialen Vergleich spielt die Relevanz der Vergleichsdimension. Es ist notwendig, daß beide Gruppen der Vergleichsdimension einen hohen Stellenwert beimessen. Nur so kommt es zu sozialen Wettbewerb. Weitere Faktoren, die auf soziale Vergleiche einwirken, sind die Stabilität/Instabilität der Unterschiede zwischen Gruppen und die Bewertung ob die Unterschiede als legitim oder illegitim angesehen werden. Wenn die Unterschiede als instabil und illegitim erlebt werden, kommt es zwingend zu sozialen Wettbewerb. Der soziale Vergleich ist mit der Erwartung gekoppelt, ein für die eigene Gruppe positives Ergebnis zu erzielen um positive Distinktheit der Ingroup zu erlangen.

Die Theorie der sozialen Identität postuliert, daß es zwingend zu sozialen Wettbewerb zwischen Gruppen kommt, wenn wechselseitige Vergleiche auf einer gemeinsam relevanten Wertdimension möglich ist. Jede Gruppe möchte ein positives Ergebnis für sich selbst erzielen. Daraus ergibt sich, das beide Gruppen sozial negativ interdependent sind. Das heißt, das sie negativ voneinander abhängig sind. Dies wurde durch Experimente bestätigt. Schon unter minimalen Bedingungen (minimal group paradigm) versuchen Gruppenmitglieder (auch, wenn sie nur nach Zufall oder einfachen Bedingungen einer Gruppe zugeteilt wurden) „ihre“ Gruppe maximal von der Outgroup abzugrenzen. Es wurde dabei nicht der maximale Gewinn, sondern die maximale Differenzierung angestrebt.

1.4. Soziale Distinktheit

Wenn das Ergebnis eines Vergleichs als befriedigend für die eigene Gruppe erlebt wird, entsteht positive soziale Distinktheit. Die eigene Gruppe wird als besser erlebt. Es handelt sich beim Konzept der sozialen Identität um eine veränderliche Dimension, wobei die Veränderung einerseits durch Vergleichsprozesse und andererseits von Versuchen, Beziehungen zwischen den Gruppen zu verändern, bestimmt ist. Die Veränderung der sozialen Identität wird in der S.I.T. unter den Begriff der „ungesicherten“ sozialen Identität zusammengefaßt. Ungesicherte soziale Identitäten entstehen nach TAJFEL immer dann, wenn die Veränderung von Gruppenbeziehungen möglich erscheint.

Die verschiedenen Veränderungsstrategien der Beziehungen werden auf einen Kontinuum zwischen sozialer Mobiltät und sozialer Veränderung unterschieden. Eine rein individuelle Lösung des Problems, das sich auftut, wenn zwischen dem Individuum und der Eigengruppe negative Distinktheit besteht, ist die soziale Mobilität:

„ Individuen können als zukünftige Mitglieder einer Gruppe oder infolge einer Negierung der bisherigen Eigengruppenwerte und einen beabsichtigten Wechsel der Bezugsgruppe das Wert- und Normsystem einer Fremdgruppe vorab als Orientierungsrahmen für das eigene soziale Verhalten annehmen. Daraus resultiert dann meist ein definitiver Wechsel der Bezugsgruppe, d.h. die Loslösung von der bisherigen Bezugsgruppe durch dieübernahme der neuen normativen Leitbilder einer anderen Bezugsgruppe und deren Verbindlichkeit für das eigene soziale Verhalten. “ 2

Neben dieser individuellen Lösung des Problems der negativen Distinktheit der Eigengruppe gibt es im Rahmen der SIT zwei weitere Strategien, die im Gegensatz zur sozialen Mobilität für die gesamte Eigengruppe gelten.

- Social Creativity Strategies
- Social Change Strategies

Bei den Strategien der sozialen Kreativität werden neue Vergleichsdimensionen geschaffen, in denen die Eigengruppe im Vergleich zur Fremdgruppe zu einen besseren Ergebnis kommen kann. Es ist auch möglich überhaupt die Vergleichsgruppe zu verändern, sodass der Vergleich mit überlegenen Fremdgruppen überhaupt vermieden wird und nur noch jene Fremdgruppen zum Vergleich herangezogen werden, bei dem die Eigengruppe positiver abschneidet als die Fremdgruppe.

In den Strategien der sozialen Veränderung wird der direkte Wettbewerb mit der Fremdgruppe gesucht, um die Stellung der Eigengruppe zu verbessern. Die Mitglieder der Eigengruppe werden vermehrt Verhalten zeigen, das auf eine Abwertung der Fremdgruppe abzielt.

2. Diskriminierung zwischen Gruppen und Möglichkeiten zum Abbau

Es gibt in der Sozialpsychologie zwei Ansätze, die versuchen, auf Vorurteile und Diskriminierungen zwischen Gruppen einzugehen.

Im ersten Ansatz, der Kontakthypothese, geht man davon aus, das intergruppale soziale Kontakte Vorurteile abbauen können. Dieser Ansatz geht im wesentlichen von der Ähnlichkeits-Attraktivitätsannahme aus. Man nimmt an, das Kontakte zu Mitgliedern der Outgroup Gelegenheit geben, Ähnlichkeiten zwischen eigener und fremder Gruppe zu entdecken und das so Sympathie entstehen kann. Der zweite Ansatz geht davon aus, das Kooperation im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel soziale Vorurteile und Diskriminierung abbaut.

Allerdings kam man in Bezug auf die Kontakthypothese zu den Schluß, das Kontakte zwischen den Gruppen keine Veränderung der Vorurteile beobachtet werden konnte, sondern das teilweise sogar eine Steigerung der Vorurteile zu bemerken war. Auch die Hypothese, das Kooperation zwischen Gruppen zu einen Abbau der Diskriminierung führt, mußte eingeschränkt werden. Diese Annahme ist nur dann erfüllt, wenn ganz bestimmte Bedingungen gegeben sind (z.B. Anzahl der gemeinsamen Aktivitäten, Eigenschaften der Gruppen, etc.).

Im Rahmen der S.I.T. geht man von einen anderen Ausgangspunkt aus. Zentral ist die Funktion des sozialen Vergleichs zwischen Gruppen um zu einer positiven Distinktheit der eigenen Gruppe zu gelangen. Man kann auch den Druck zu sozialen Wettbewerb variieren indem man die Bedingungen verändert, die die positive Distinktheit in Frage stellen. Eine Möglichkeit ist die Verringerung der Salienz der Kategorisierung in Ingroup und Outgroup. Das heißt, man lockert die Kategorien auf, indem sich Individuen entweder anhand des einen oder des anderen Kriteriums kategorisieren. Es bilden sich so Gruppen, die in einer Dimension streng kategorisiert sind, in den restlichen Dimensionen allerdings gemischt sind. Die Kategorisierungen überlappen sich also.

Es zeigten sich bei Untersuchungen, das es tendenziell zu einer Verringerung der Outgroupdifferenzierung kommt, wenn sich die Kategorien überlappen. Die Gleichförmigkeit der Outgroup wird verringert wahrgenommen, wenn man Gruppenmitglieder über Meinungs-und Einstellungsunterschiede innerhalb der Outgroup informiert. Durch Individualisierung der Outgroup ist es also möglich, Diskriminierung zu verringern.

Diese beiden Ansätze, überlappende Kategorisierung und Individualisierung, lockern also die Kategorisierungssalienz. Der instrumentelle Wert des sozialen Vergleichs für die soziale Identität wird vermindert wodurch es zu einer Verminderung der Outgroupdiskriminierung kommt.

Im Bezug auf die Frage nach den Effekten von Kooperation zwischen Gruppen (DESCHAMPS & BROWN, 1983) stellte man fest, das sich Outgroupdiskriminierung nur verringerte, wenn die Funktionen der Gruppen in Hinblick auf Erreichung des Ziels unterschiedlich waren und sich gut differenzieren ließen. Wenn die beiden Gruppen sehr ähnliche Funktionen haben, werden group bias und OutgroupDiskriminierung verstärkt, da die positive Distinktheit in Bezug auf gleiche Dimensionen gewahrt werden muß.

Wenn die sozialen Vergleiche zwischen Gruppen auf nicht-identischen Dimensionen angestellt werden, verringert sich die Outgroup-Diskriminierung zugunsten einer fairen Beurteilung. Die eigene Gruppe wird nicht unbedingt besser sondern als anders erlebt als die Outgroup.

3. Kritik an der S.I.T.

In jüngster Zeit wurde die Theorie der sozialen Identität mehrfach kritisiert. Einerseits zeigten SCHIFFMAN und WICKLUND (1989), daß man die Ergebnisse der Minimalgruppenexperimente (wo Individuen nach Zufall einer Gruppe zugeteilt wurden und für die eigene Gruppe das Beste Ergebnis erzielen sollten) auch anders interpretiert werden können. Die Begünstigung der eigenen Gruppe könnte auch Zustande kommen, weil die Zugehörigkeit zur Gruppe die Sympathie zu dieser wachsen läßt. Die Begünstigung hätte demnach also nichts mit der Kategorisierung als solche, sondern mit der dadurch bedingten Sympathie zu tun.

Auch wurden Einseitigkeiten der S.I.T. aufgezeigt, nämlich, daß soziale Identität nur aus Zugehörigkeiten zu Gruppen besteht und daß die Art der Beziehungen zwischen Gruppen auf sozialen Wettbewerb und Diskriminierung beschränkt werden.

4. Zusammenfassung

Die Theorie der sozialen Identität (S.I.T.) von Henri Tajfel ist eine sozialpsychologische Theorie, die versucht, individuelle Aspekte mit Aspekten des sozialen Kontextes zu verknüpfen. Es wird versucht, kollektive Bewegungen, Interaktionen zwischen Gruppen zu erklären. Diese Theorie bietet einen interessanten Erklärungsbeitrag zur Frage nach dem Abbau von Diskriminierung zwischen Gruppen.

Das Individuum sieht sich selbst im Kontext mit seiner Umwelt als Teil einer oder mehrerer Gruppen. Man teilt sich selbst und andere Individuen in Kategorien ein. Im Rahmen der S.I.T. wird dieser kognitive Prozeß als soziale Kategorisierung bezeichnet.

Mitglied einer Gruppe zu sein, sich als Teil eines Ganzen zu fühlen, entspringt dem Bedürfnis nach sozialer Identität, die als Teil des gesamten Selbstkonzeptes angesehen wird. Die soziale Identität läßt sich insofern aus dem Prozeß der sozialen Kategorisierung ableiten, da diese als Definition des eigenen Platzes innerhalb eines Systems, einer Gruppe gesehen werden muß. Da jedes Individuum nach positiv bewerteter sozialer Identität strebt, ist es nötig, Vergleiche zu ziehen. Um die eigene Gruppe zu rechtfertigen muß man Vergleiche mit einer anderen - vergleichbaren - Gruppe ziehen. Die eigene soziale Identität ist umso positiver, je größer die Distanz zur Vergleichsgruppe ist, d.h. je mehr sich die eigene Gruppe (Ingroup) von der Vergleichsgruppe (Outgroup) abhebt. Ähnlichkeit zwischen Gruppen erhöht den Druck, sich wechselseitig zu differenzieren. Der soziale Vergleich hat also die Funktion, Unterschiede zwischen Ingroup und Outgroup entweder zu schaffen oder zu erhalten.

Unterschiede zwischen Gruppen können desweiteren als legitim oder illegitim, als stabil oder instabil angesehen werden. Die S.I.T. postuliert in diesen Zusammenhang, daß sozialer Wettbewerb dann entsteht, wenn soziale Vergleiche auf gemeinsamen Wertdimensionen möglich sind und wenn die Unterschiede als instabil oder illegitim angesehen werden.

Die soziale Identität wird nicht als statische Größe, sondern vielmehr als ein dynamischer Veränderungsprozess gesehen. Wenn die Veränderung der momentanen Situation in irgendeiner Form als möglich erscheint, entstehen nach TAJFEL "ungesicherte“ soziale Identitäten. Individuen können ihre Gruppe verlassen um sich einer anderen Gruppe zuzuwenden, wo sie sich günstigere Bedingungen für eine positive soziale Identität erwarten. Diese rein individuelle Lösung, die soziale Mobilität, hat keine Auswirkung auf die Beziehung zwischen Gruppen.

Andere Möglichkeiten sind der direkte soziale Wettbewerb oder die soziale Kreativität. Beim sozialen Wettbewerb versuchen die Mitglieder der Ingroup die positive Distinktheit der eigenen Gruppe zu betonen oder die Outgroup abzuwerten. Bei der sozialen Kreativität hingegen werden neue Vergleichsdimensionen gefunden, auf denen die Ingroup besser abschneiden kann als die Outgroup. Es ist auch möglich, die Bewertung der Ergebnisse von Vergleichen umzukehren oder sich eine neue Vergleichsgruppe zu suchen, der man im relevanten sozialen Vergleich überlegen sein kann.

Zusammenfassend läßt sich in diesen Punkt sagen, daß das Streben nach positiver sozialer Identität immer mithilfe der Abwertung und Diskriminierung der Outgroup befriedigt wird.

Die Möglichkeiten des Abbaus von Diskriminierung werden im Rahmen der S.I.T. hauptsächlich darin gesehen, die strenge Kategorisierung in Ingroup und Outgroup zu lockern. Dies wird dadurch erreicht, daß Individuen hinsichtlich eines Kriteriums zwar der einen oder anderen Gruppe zugehören, in Bezug auf alle anderen Kriterien allerdings gemischt sind. Die Verringerung der Outgroupdiskriminierung ist auch dadurch möglich, die wahrgenommene Gleichförmigkeit der Outgroup zu verringern, indem man Individuen Informationen über Meinungs-und Einstellungsunterschiede innerhalb der Outgroup gibt. Die Outgroup wird dadurch Individualisiert.

Diese beiden Wege - überlappende Kategorisierung und Individualisierung der Outgroup - vermindern den instrumentellen Wert des sozialen Vergleichs für die soziale Identität.

Es besteht auch im Rahmen der S.I.T. die Möglichkeit, die Anzahl der Vergleichsdimensionen zu erhöhen und so mehr Bereiche mit positiver Distinktheit zu schaffen.

Kritisiert wurde die Theorie der sozialen Identität in letzter Zeit hauptsächlich ihrer Einseitigkeiten in Bezug auf soziale Identität wegen. Nach dieser Theorie besteht die soziale Identität lediglich aus der Zugehörigkeit zu Gruppen. Auch die Beziehungen zwischen Gruppen werden in dieser Theorie auf sozialen Wettbewerb und Diskriminierung beschränkt.

Literatur

Frey D.,.Irle M. (Hsg.): Theorien der Sozialpsychologie, Band 2: Gruppen- und Lerntheorien. Verlag Hans Huber, Bern, 1985 , S. 199-212

Herkner W.: Sozialpsychologie. Verlag Hans Huber, Bern, 1991, S. 490-492

Timmermann R.: Zur nationalen Integration fremdnationaler ethnischer Minderheiten und ihren soziopolitischen Konsequenzen, dargestellt am Beispiel der deutschsprachigen gesellschaftlichen Gruppen Eupen-Malmedys zwischen den beiden Weltkriegen; Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt/Main, 1989

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1 Timmermann, R., S. 34

2 Timmermann, R., S. 38

9 von 8 Seiten - nach oben

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Handy und seine jugendlichen Nutzer
2.1 Das Handy als ständiges Kontrollorgan
2.2 Unbegrenzte Verfügbarkeit?
2.3 Das Vertreiben von Einsamkeit und „Nahe Ferne“
2.4 Das Handy als „pleasure phone“
2.5 Zugehörigkeit
2.6 Organisation
2.7 Kompetenzerwerb

3 Der Short Message Service (SMS)
3.1 Eigenschaften des SMS
3.2 Nutzungsmotive
3.3 Die Sprache in der SMS-Kommunikation
3.3.1 Funktionen der Kurzformen in SMS-Nachrichten
3.3.2 Formen der veränderten Sprache

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang 1: Rangskala der Freizeitinteressen Jugendlicher

Anhang 2: Formen syntaktischer Reduktion in SMS-Texten

1 Einleitung

„>Ohne Handy ist man unerreichbar und abgesehen vom Internet von der Zivilisation abgeschnitten.< (Ricarda:13 Jahre, Tagebuchprotokoll)“ (Schulz 2011, S.161)

Dieses Zitat von Ricarda stammt aus einer Langzeituntersuchung, in der Iren Schulz (2011) drei Jugendgruppen dazu brachte, eine Schul- und eine Ferienwoche ohne ihr Handy zu verbringen. Es untermalt den Titel der Hausarbeit „>Nicht ohne mein Handy!< - Die Bedeutung mobiler Kommunikation im Alltag Jugendlicher“ sehr gut und bringt zum Ausdruck, wie wichtig einer Jugendlichen ihr Mobiltelefon tatsächlich sein kann. Daher sollen in der folgenden Arbeit die unterschiedlichen Funktionen des Handys für die Jugendlichen herausgestellt werden.

Eine sehr wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Funktion des Handys, gerade für Jugendliche, stellt der „Short Message Service“ (kurz: SMS) dar. Dieser ermöglicht es, kurze Textnachrichten von einem Handy oder Computer zu einem anderen Handy zu schicken. Daher soll der zweite Teil der Arbeit den SMS näher beleuchten und dessen Besonderheiten erläutern. Dazu gehören die verschiedenen Nutzungsmotive der Jugendlichen, ebenso wie die benutze Sprache

2 Das Handy und seine jugendlichen Nutzer

Jugendlich zu sein, das bedeutet nach Tully und Zerle (2005) „sich selbst auszuprobieren und seinen eigenen Lebensraum zu erweitern. Erst wenn die eigene soziale und persönlicher Identität gewonnen ist, geht die Jugendphase zuende“ (S. 3). Zur Ausbildung eben dieser Identität ist laut der Autoren die Interaktion mit den Peers zwingend notwendig. Und diese wiederum wird durch das Handy unterstützt, da es die Kommunikation über eine Distanz hinweg und ortsungebunden ermöglicht.

Im Jahr 2004 besaßen bereits 90% der 12 bis 19 jährigen in Deutschland ein Handy (MPFS 2004, S. 9, S. 53; zitiert nach: Tully/ Zerle 2005), eine Zahl, die sich bis zum Jahr 2011 wohl noch gesteigert haben dürfte. Und die Bedeutung, die die Jugendlichen ihrem Mobiltelefon zumessen, zeigt sich auch in der Rangskala der Freizeitinteressen Jugendlicher (siehe Anhang 1), in der die Gruppe „Computer/ Internet/ Handy“ an zweiter Stelle, gleich hinter „Musik hören“ kommt.

Die Funktionen die ein Handy im Alltag eines Jugendlichen erfüllen kann, sind dabei vielfältig und sollen in den folgenden Abschnitten erläutert werden.

2.1 Das Handy als ständiges Kontrollorgan

Zur Erörterung der Frage, inwieweit das Mobiltelefon als ständiges Kontrollorgan gesehen werden kann, kann man das Konzept der Kontrolle unterteilen. Einmal hinsichtlich der Kontrolle der Eltern über ihre Kinder und zum anderen hinsichtlich des umgekehrten Weges der Kontrolle der Kinder über ihre Eltern.

Für die Eltern ist ein großer Vorteil, den sie dem Handy zurechnen, wohl, dass sie ihre Kinder jederzeit und vor allem auch überall erreichen können, ohne dabei an Orte gebunden zu sein. Dies gilt einmal für sie selbst, da sie ihre Kinder auch von unterwegs erreichen können, ohne auf Telefonzellen oder sonstige Festnetztelefone angewiesen zu sein. Der wahrscheinlich noch größere Vorteil besteht jedoch darin, dass die Kinder stets erreichbar sind, ganz egal, wo sie sich gerade aufhalten. Daraus resultiert auch die zentrale Frage eines Handygespräches nach dem momentanen Aufenthaltsort (vgl. Heintel und Krainer 2001, 35). Diese kann schon zu dem Aspekt der sozialen Kontrolle gezählt werden, bei dem Eltern nur zum Zweck der Abfrage des aktuellen Ortes und der Tätigkeit anrufen, ohne einen speziellen Anlass und ohne dabei die eigentliche Kommunikation im Sinn zu haben. Diese Form der Kontrolle wird von den Angerufenen schnell als störend empfunden, kommt jedoch nach Logemann und Feldhaus (2002) nur selten vor (vgl. S. 221).

Es überwiegen demnach die Folgen des Handybesitzes, die auch die Jugendlichen durchaus zu schätzen wissen. Viele Eltern sehen das Mobiltelefon als „Erfüllungsgehilfen des Erziehungsauftrages“ ( Logemann/ Feldhaus 2002, S. 221). Dabei steht die Koordination und Organisation des Familienhaushaltes im Vordergrund, die dadurch erleichtert werden, dass zum Beispiel das Absprechen von Terminen schneller und einfacher von statten geht. Auch der Beruf ist durch die leichtere Erreichbarkeit auf beiden Seiten besser mit der Familie zu vereinen, sei es um kurzfristige Absprachen zu treffen, oder schnell noch letzte Hilfestellungen beim Kochen zu geben (vgl. ebd). Schulz (2011) zeigt durch ihre Untersuchungen, dass die Eltern durch das Handy zwar eine gute Kontrollmöglichkeit haben, sich dies aber meist positiv für die Kinder auswirkt. Nachdem Jugendliche in der Studie ihr Handy abgeben, erwarten sie, dass sie dadurch freier und ungebundener handeln können. Stattdessen „erkennen die Eltern ihnen bereits zugestandene Freiräume und ausgehandelte Kompromisse wieder ab“ (vgl. Schulz 2011, S. 161), da ihnen das Gefühl der Sicherheit, das mit dem Handybesitz einhergeht, fehlt.

So wie die Eltern durch das Handy mehr Kontrolle über die Kinder haben, besteht umgekehrt eine Verfügungsmacht der Kinder über ihre Eltern (vgl. Logemann/ Feldhaus 2002, S. 217). Diese entsteht daraus, dass die Kinder bei allen Problemen und Fragen die Möglichkeit haben, diese direkt an ihre Eltern weiterzugeben. Dazu zählen zum Beispiel die Abreaktion von Frustrationen (bspw. vermeintliche unfaire Behandlung durch einen Lehrer), die Erwartung, von den Eltern, meist im besonderen von der Mutter, Lösungen für Probleme zu erhalten, oder auch die Koordination des elterlichen „Shuttledienst[es]“ (Heintel/ Krainer 2001, S.35). Durch das Handy besteht also eine Art „unsichtbarer Nabelschnur“ (vgl. ebd.), die Kinder und Eltern miteinander verbindet und das Sicherheitsbedürfnis auf beiden Seiten stillt. Auf der anderen Seite dient das Handy aber auch genau dem Gegenteil, sich nämlich der elterlichen Kontrolle zu entziehen, indem – im Gegensatz zum Festnetz-Telefon – Verabredungen getroffen und Gespräche geführt werden können, ohne dass jemand zuhört (vgl. Logemann/ Feldhaus 2002, S. 220).

Das Handy kann außerdem nur als ständiges Kontrollorgan gesehen werden, wenn derjenige, der (in welcher Weise auch immer) kontrolliert werden soll, auch erreichbar ist. Das führt zu einer weiteren Funktion, die mit der der Kontrolle eng zusammenhängt.

2.2 Unbegrenzte Verfügbarkeit?

Mit dem Besitz eines Mobiltelefons geht auch auch die ständige Erreichbarkeit einher. Denn es besteht ein Erreichbarkeitsdruck: Wer ein Mobiltelefon hat, der muss es auch bei sich tragen und im Stand-By-Betrieb halten (vgl. Höflich/ Rössler 2001, S. 439). Wer trotz diesem Druck sein Handy abschaltet, oder nicht mitnimmt, wenn er unterwegs ist, der muss sich im Nachhinein für seine Nicht-Erreichbarkeit rechtfertigen (vgl. Logemann/ Feldhaus 2002, S. 221). So ist es also unter Handynutzern üblich geworden, dass man erwartet, den gewünschten Gesprächspartner jeder Zeit erreichen zu können. Sollte dies nicht der Fall sein, ist der Nichtzuerreichende dem anderen eine stichhaltige Erklärung schuldig. Als solche werden häufig technische Gründe angeführt, die vom Gegenüber nicht widerlegt und somit auch nicht angezweifelt werden können. So werden nach Tully und Zerle (2005) besonders von Jugendlichen gegenüber ihren Eltern als Gründe meist angegeben, der Akku sei leer gewesen, sie haben kein Netz gehabt oder das Klingeln aufgrund der Umgebung einfach nicht gehört (vgl. S. 9), um so der oben genannten ständigen Kontrollierbarkeit zu entgehen. Dadurch gelangen die Jugendlichen jedoch in ein „Erreichbarkeitsdilemma“, da sie einerseits der Kontrolle durch ihre Eltern entgehen wollen, andererseits für ihren Freundeskreis erreichbar bleiben müssen, um die für sie wichtigen Information erreichen zu können (vgl. Lange 1999, zitiert nach Logemann/ Feldhaus 2002, S. 222). Heintel und Krainer (2001) vertreten jedoch die Auffassung, dass die Handynutzer neuerdings immer mehr dazu übergehen die eigene Erreichbarkeit zu kontrollieren. Dies geschehe durch die Dosierung von On-Off-Zeiten, also das zeitweise Ausschalten des Gerätes, und die Rufnummer, die verschlüsselt, und bewusst nur bestimmten Personen mitgeteilt wird. Dadurch trifft der Handynutzer selbst eine Auswahl darüber, wer ihn erreichen kann und zu welcher Zeit (vgl. dazu Heintel/ Krainer 2001, S. 35).

2.3 Das Vertreiben von Einsamkeit und „Nahe Ferne“

Mit der Erreichbarkeit, geht auch der hier genannte Aspekt der Einsamkeit einher. Da das Handy als ständiger Begleiter fungiert (vgl. Heintel/ Krainer 2001, S. 36), wird in ihm häufig eine Möglichkeit gesehen, empfundene Einsamkeit zu vertreiben. Dabei steht jedoch nicht, wie zu vermuten wäre, die Kommunikation mit anderen im Mittelpunkt, um dadurch die Einsamkeit zu füllen. „Viele Jugendliche […] halten sich gewissermaßen >am Handy fest<. Hier geht es nicht um Kommunikation, sondern um die Option von Kommunikation, also die schiere Möglichkeit.“ (Tully/ Zerle 2005, S. 5). Denn selbst wenn diese Möglichkeit ungenutzt bleibt, so empfinden die Jugendlichen es doch als beruhigend, zu wissen, jederzeit einen ihrer Freunde erreichen zu können - wenn sie nur wollten. Dadurch lässt sich die soziale Situation, in der man sich gerade befindet, (sei es in einer Schlange wartend, reisend im Zug oder arbeitend) verändern und auch erträglicher machen (vgl. ebd. S. 5f).

Der Begriff der „nahen Ferne“, den Heintel und Krainer (2001, S. 36) verwenden, zielt besonders auf Jugendliche zu Anfang der Pubertät. Denn besonders durch den SMS können sie zwar untereinander Kontakt aufnehmen, sich also nahe sein, bleiben aber trotzdem in körperlicher Distanz zueinander. Sie können sich also annähern, ohne sich dabei physisch zu begegnen. Nach den Autoren unterstützt dies das Verhältnis von Scham und Lust in der Pubertät. Einerseits wollen sie flirten und neue Kontakte knüpfen, dem stehen auf der anderen Seite jedoch die eigenen Angst- und Schamgefühle im Weg.

So kommt man zusammen und bleibt letztendlich doch alleine (vgl. Heintel/ Krainer 2001, S. 36) – wenn auch mit seinem Handy. Doch das Versprechen der möglichen Kontaktaufnahme, das dieses Gerät gibt, wird wohl auf Dauer nicht genügen, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Verständlicher ist da schon die nächste beschriebene Funktion: die Vertreibung von Langeweile.

2.4 Das Handy als „pleasure phone“

Was man selbst immer häufiger beobachten kann, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist, wird auch in der Literatur besprochen: Egal wo Jugendliche nichts zu tun haben, ob sie beispielsweise auf den Bus oder auf Verabredungen warten, oder in den Hörsaalbänken einer Vorlesung folgen sollten, sobald ein „lange Weile“ entsteht, wird das Handy aus der Tasche geholt und sich damit eben diese vertrieben. Tully und Zerle (2005) sehen das Handy deshalb als besonders geeignet um Leerzeiten zu füllen, da es als Allzweckmedium viele verschiedenen Funktionen hat (vgl. S. 6). So kann der Terminkalender und das Adressenverzeichnis aktualisiert, Fotos geschossen und bearbeitet werden, das Handy dient als MP3-Player und hat neuerdings quasi alle Funktionen eines portablen Computers. Nicht zuletzt werden immer mehr Spiele für das Handy entwickelt, die gezielt der Unterhaltung des Nutzers dienen (vgl. Höflich/ Rössler 2001, S. 448). Wo es vor einigen Jahren erst eine begrenzte Anzahl von zwei bis drei vorinstallierten, simplen Spielen auf den Handys gab, geht die Entwicklung heute hin zu immer komplexeren Spielen, die in riesiger Auswahl in sogenannten „App-Stores“ zur Verfügung stehen und zum Teil kostenlos, zum Teil gegen Bezahlung auf die Smartphones geladen werden können. Diesen Prozess sahen Leung und Wei schon 2000: „It seems that the cellular phone is perceives as a new pleasure phone“ (zitiert nach: Höflich/ Rössler 2001, S. 448).

2.5 Zugehörigkeit

Die Förderung des Gefühls der Zugehörigkeit ist wohl mit die wichtigste Funktion, die das Mobiltelefon erfüllt. Dabei kann die Zugehörigkeit zu ganz unterschiedlichen Referenzgruppen gemeint sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

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